Projektbericht WEB-O-MAT


Ein Projekt zur Entwicklung des Kostenbewußtseins bei der Benutzung des Internets


               

RAHMENBEDINGUNGEN


Wir können einen eigenen Raum mit drei Einzelplatzrechnern (ein Rechner ist Server und Client zugleich) für die Arbeit am Internet nutzen.
Alle Benutzer haben einen eigenen e-mail-Zugang mit eigener Mailbox und verfügen auch über einen eigenen Account durch den Web-o-mat.
Wir haben finanzielle Unterstützung durch die Schulleitung für Gruppen-/Projektarbeitskonten erhalten.

               

METHODISCH-DIDAKTISCHE BESCHREIBUNG


Wir haben eine Softwarelösung zur Handhabung der Webaccounts entwickelt, im folgenden kurz "Web-o-mat" genannt. Unser Projekt bildet die Basis, aufgrund der wir uns erst für die eigene Recherche oder im Unterricht für die Gruppenarbeit die Nutzung des Internets leisten können, da die Konten klar abgerechnet werden.
Der Web-o-mat wurde schon bei der Einweihung des Hamburger Bildungsservers, auf der Technischen Fachkonferenz in Rostock und auf der 2. Fachtagung in Bonn vorgestellt und ist überall mit so großem Interesse aufgenommen worden, daß wir uns aufgrund der vielen Anfragen nach Rostock entschlossen haben, den ODS-Kommunikationsserver von c´t durch den Web-o-mat zu ergänzen. In Bonn wurde die Diskette mit der Version "ODS/Web-o-mat" Hernn Kossel von c´t mit der Bitte um Distribution überreicht. Eine beta-Version für Selbstabholer haben wir ins Netz gestellt. Wenn man den ODS-Server nicht benutzt und den Web-o-mat haben will, kann man unsere Software downloaden, den Web-o-mat aus dem ODS-Teil isolieren und in sein eigenes System einbauen.

Der Web-o-mat als eigenständiges System - wie wir ihn verwenden - läuft nach unserer Installation noch am Emil-Krause-Gymnasium in Hamburg. Wir hatten unser System ursprünglich als Mitnahmepaket bereitgestellt. Die Distribution gestaltete sich aber als schwierig bzw. zeitaufwendig, viele Kollegen schreckten auch vor Linux zurück, so daß das Einklinken des
Web-o-mats in den ODS-Server, den viele Schulen benutzen, wohl für alle Beteiligten die beste Lösung ist.

Da die Schüler und Lehrer bei uns selbständig an den Maschinen arbeiten dürfen, führt unser Web-Team Einweisungs- und Fortbildungsveranstaltungen durch, auf denen die Fragen der Benutzer beantwortet werden. Zwei Schülervertreter des Web-Teams waren auch am Bonner Vortrag beteiligt und haben über ihre Arbeit berichtet. Dank der Aktivitäten des Web-Teams setzen auch immer mehr Lehrer das Internet im Unterricht ein, so daß wir nicht mangelndes Interesse, sondern eine zu geringe Anzahl an Rechnern für Gruppenarbeit mit 20 bis 30 Schülern zu beklagen haben.

Unsere Software ist so robust gebaut, daß es in den 14 Monaten Laufzeit noch keinem Schüler gelang, in das System einzubrechen. Die Entscheidung, daß keine Befehle eingetippt werden müssen, sondern nur als Buttons anzuklicken sind, hat sich hierbei als sehr günstig erwiesen.

               

Modellprojekt WEB-O-MAT


Damit Schüler und Lehrer Medienkompetenz erwerben können, müssen sie auch praktisch jederzeit Zugang zu diesem Medium haben.
Wir wollen, daß das WWW jederzeit von jedem Lehrer oder Schüler selbständig (d.h. auch außerhalb von Unterrichtszeiten) genutzt werden kann, ohne daß ein Betreuer anwesend sein muß. Da die Telefonkosten dann nicht überschaubar wären und den Schuletat bei weitem übersteigen würden, muß bei uns jeder, der das WWW als Informations- und Arbeitsquelle nutzen möchte, den Telefonkostenbetrag selbst entrichten. Auch gedruckte oder verfilmte Information kostet Geld, das WWW ist nur ein Medium anderer Art. Hier zeichnet sich auch ein pädagogischer Effekt ab: mit Webzeit, die man selbst bezahlt hat, geht man sorgfältig um. "Schlimme Seiten" ansehen und planloses Surfen haben wir kaum beobachtet, genauer soll dies aber im pädagogischen Teil untersucht werden.

Wie funktioniert der Web-o-mat ?
Der Benutzer bekommt vom Webmaster ein Paßwort und ein Konto. Mit dem Paßwort hat er auch Zugang zu seiner Mailbox. Zahlt er  5 DM an den Webmaster, bekommt er dafür eine Stunde Webzeit freigeschaltet.
Links oben am Bildschirmrand stehen drei buttons zur Auswahl:
                Netz_an
                Netz_aus
                logoff.
Erst wenn der Benutzer den button "Netz_an" anklickt, wird die Internetverbindung aufgebaut
und - nachdem das geschehen ist - erscheint unten auf dem Bildschirm ein kleines Fenster,
das die Restzeit, also den Kontostand des users anzeigt. Ist das Guthaben aufgebraucht, so liest man in diesem Fenster "Kein Kredit mehr" , und das Internet läßt sich nicht hochfahren.
Das Netz kann während einer Sitzung beliebig oft an- und abgeschaltet werden, nur bei den
"Netz_an"-Zeiten wird das Konto belastet. Da das Konto-Fenster immer im Hintergrund
liegt, kann man es jederzeit anklicken und sehen, wie schnell das Guthaben dahinschmilzt:
Jede Sekunde wird der neue Kontostand angezeigt.
Die Tariffestlegung ist flexibel, z.B. können die Grundgebühren der Telekom oder die Zugangsgebühren des Shuttles aufgeschlagen werden. Die Zeitstunde kann beliebig aufgeteilt werden, nach Ablauf des "Kredits" ist kein Hochfahren des Netzes für diesen Benutzer mehr möglich.
Seit Mitte Mai ist für Gruppenarbeit auch ein Abbuchen von einem Gemeinschaftskonto möglich. Auch wenn das WWW im Unterricht zur Gruppenarbeit eingesetzt wird, muß beim Webmaster die Freischaltung bezahlt werden.

               

PÄDAGOGISCHER TEIL unseres Modellprojekts


Im pädagogischen Teil unseres Modellprojekts soll untersucht werden, inwieweit das
Bezahlen der Webzeit Einfluß auf das Netzverhalten der Benutzer nimmt (siehe Titel: Ein
Projekt zur Entwicklung des Kostenbewußtseins bei der Benutzung des Internets).

Dieses Ziel werden wir jetzt bearbeiten, da wir nach einem Jahr Laufzeit genügend Teilnehmer "auf den Geschmack" gebracht haben, um relevante Aussagen über ein Kostenbewußtsein unserer Nutzer treffen zu können.

               

TECHNISCHE LÖSUNG im Detail


Unserer Lösung liegt die Idee zugrunde, daß zunächst ein Rechner einzig und allein den Internetbetrieb übernimmt, inzwischen arbeitet bei uns ein Rechner als Server und Workstation zugleich, daran hängen zwei clients.  Server und Clients verwenden als Betriebssystem LINUX in der Version 2.0.28/2.0.32.
In der Ergänzung zum ODS-Server können die Clients unter Linux oder Win95 arbeiten.

Die benutzten Programme sind im Internet verfügbar oder selbstgeschrieben. Sämtliche verwendete Software ist kostenlos und unterliegt der GNU- oder BSD-Lizenz.

Die Software ist so ausgelegt, daß sie allein auf dem Rechner läuft (Webstation). Es darf kein zugängliches DOS auf der Webstation liegen, weil dann die Gefahr besteht, über DOS die Kreditkarte eigenmächtig aufzustocken, bzw. die Bezahlung zu umgehen. Für den Webmaster heißt das, daß bei der Installation die Platte partitioniert wird und auf einer Partition durchaus DOS liegen darf, diese dann aber mit Paßwort geschützt und nur für den Webmaster zugänglich ist.
Wenn die Benutzer etwas für den häuslichen DOS-Rechner aus dem Internet haben wollen,
so kann dies auf Diskette gespeichert und auf dem DOS-Rechner weiterbearbeitet werden.
 

Wir arbeiten mit NETSCAPE als Browser, da er sehr weit verbreitet ist und die Grundfunktionen
                e-mail
                browsing und
                news
unter einheitlicher Oberfläche zur Verfügung stellt. Diese drei Funktionen scheinen uns für
die Schule relevant zu sein.
Die Bildschirm- und Tastaturverwaltung nach dem Einschalten des Rechners wird von der Software DISPLAY-MANAGER (XDM) übernommen.

Wir benutzen nicht den in Netscape eingebauten Plattencache-Mechanismus, sondern ein separates Programm namens SQUID. Dieses Programm fungiert als Art Relaisstation und bietet folgende Vorteile:
- mehrfach angeforderte Seiten/Informationen werden lokal auf der Platte zwischengespeichert und stehen bei einer erneuten Anfrage - auch durch einen anderen Benutzer -sofort zur Verfügung. Der Komfort liegt in der größeren Schnelligkeit (gerade zu Schulzeiten ist das Web oft sehr langsam) und der daraus folgenden deutlichen Kostendämpfung (s.u.),
- mit diesem Konzept ist auch der indirekte Internetzugriff von anderen Maschinen aus sehr leicht zu realisieren (Proxyserver),
- vielleicht wichtig für eine Anwendung an Grundschulen oder bestimmten Projektarbeiten: über diesen squid lassen sich bestimmte Adressen sperren, so daß Schüler nicht an unerwünschte Informationen kommen.

Unsere Software ist mit einem squid von rund 150 MB ausgerüstet. Der Vorteil besteht
darin, daß alles, was während einer Sitzung auf dem Bildschirm zu sehen war, dort zwischen-
gespeichert wird. Man braucht also längere Texte nicht online lesen, sondern läßt sie in den
squid laden, schaltet mit "Netz_aus" die Internetverbindung weg und kann nun ohne sein
Konto zu belasten die Texte lesen bzw. in die eigene Datei abspeichern.
Wir haben gesehen, daß dieser squid die Telefonkosten deutlich verringert!
 

Wir arbeiten im mailing-Sektor mit SENDMAIL, POPCLIENT und selbstgeschriebener Software. Jeder Benutzer hat seine eigene Mailbox. Beim Hochfahren des Internets passiert folgendes:
- ankommende mails werden als Block vom Shuttle abgeholt und in die lokalen Mailboxen der Benutzer verteilt, nicht zuzuordnende Mails landen beim Webmaster
- alle bis dahin geschriebenen Mails werden an den Shuttle weitergegeben.

Der Zugang zum newsnet wird über die in Netscape bereitgestellte Oberfläche ermöglicht (für lesen und posten).

               

VERWALTUNG und PFLEGE durch den Webmaster


Mit den Tasten ctrl-alt-F6 wird ein virtuelles Textmodus-Terminal, die Console, freigegeben, auf der sich der Webmaster mit Namen und Paßwort einloggen muß. Die administrativen Aufgaben wie Benutzer einrichten, Konto aufbessern, usw. kann der Webmaster über Menuepunkte ansteuern.

Für den Webmaster steht ein Protokoll bereit, das für jeden Tag Uhrzeit, Namen des users, Länge der online-Zeit, abgebuchten Telekombetrag und abgebuchte Web-o-mat-Zeit ausdruckt. Für alle Benutzer ist eine Statistik aufrufbar, in der die am häufigsten ausgewählten Adressen ("top ten") stehen. Aus dieser Statistik läßt sich auch ablesen, wieviel Prozent der Information aus dem Squid kommen und wieviel neu übers Netz, jeder kann sich also von der Kostenersparnis durch den Squid überzeugen.


Ansprechpartner:
Marianne Stahl
Margaretha-Rothe-Gymnasium Hamburg
wstahl@mrg.hh.schule.de