Muchi no Namida


(Tränen der Unwissenheit)

Am 1. August diesen Jahres (1997) wurden in Japan vier Todesurteile vollstreckt, unter den drei Männern und einer Frau befand sich auch der Bestsellerautor Norio Nagayama.

Norio Nagayama wurde 1969 verhaftet und des bewaffneten Raubes und der Ermordung von vier Personen angeklagt. Nach einem zehn Jahre dauernden Gerichtsverfahren wurde er 1979 zum Tode verurteilt. 1981 wurde das Todesurteil in zweiter Instanz in lebenslängliche Haft umgewandelt, da Nagayama zur Tatzeit nicht die geistige Reife eines 18jährigen hatte und im Sinne des japanischen Strafgesetzbuches mit 19 Jahren noch nicht volljährig war. Die Staatsanwaltschaft Tokyo legte hier gegen Berufung beim Obersten Gericht ein und dieses hob das Urteil von 1981 wieder auf. 1987 änderte das gleiche Gericht, das die Umwandlung in eine Haftstrafe verfügt hatte , seine eigene Entscheidung und bestätigte das ursprüngliche Todesurteil. Die Berufung von Nagayamas Anwälten gegen die erneute Verhängung der Todesstrafe wurde zurückgewiesen und damit das Todesurteil endgültig bestätigt.

Zur Tatzeit konnte Norio Nagayama kaum schreiben und lesen und war in seiner geistigen Entwicklungszeit zurückgeblieben.
Im Gefängnis holte er seine Ausbildung nach, studierte Philosophie und schrieb während der langen Haftjahre Gedichte, Essays und sechs Bücher. Die Schilderung seiner Kindheit in ärmlichen Verhältnissen, 1971 unter dem Titel "Muchi no Namida" (zu deutsch etwa: "Tränen der Unwissenheit" ) veröffentlicht, fand großen Anklang. Für seinen autobiographischen Roman "Kibashi" (Die Holzbrücke) erhielt Nagayama im Jahre 1983 den 19. Preis für Neue Japanische Literatur und für das autobiographische Werk "Verlassene Kinder spielen" bekam er eine der höchsten literarischen Auszeichnungen Japans. Die Tantiemen schenkte er den Hinterbliebenen seiner Opfer.
Sein 1990 gestellter Antrag auf Aufnahme in den Japanischen Schriftstellerverband wurde jedoch abgelehnt. Dafür sorgte eine Arbeitsgruppe aus Hamburg von amnesty international, daß Nagayama 1996 Mitglied des Verbandes deutscher Schriftsteller im Landesverband Saarland wurde.

Die letztinstanzlich zum Tode Verurteilten sind in Japan unmenschlichen und oft willkürlichen Restriktionen unterworfen, so müssen sie z.B. manchmal den ganzen Tag in der Mitte ihrer Zelle stehen, damit der Wärter sie durch ein kleines Fenster in der Tür sehen kann. Auch haben sie so gut wie keinen Kontakt zur Außenwelt, sie dürfen keine Briefe erhalten und auch der Besuch von Verwandten ist äußerst beschränkt. Sie wachen jeden Tag auf, ohne zu wissen, ob es ihr letzter sein wird. Hinrichtungen (durch den Strang) werden im geheimen vollstreckt und weder den Gefangenen noch ihren Familien oder Anwälten im voraus mitgeteilt.

Quellen:
amnesty international,
Zeitungen

Anne, 12. Jg.


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