Elternbrief
„Unsere Kinder waren Schülerinnen und Schüler mit einem besonderen Förderbedarf, gleichgültig ob sie in Förderschulen oder Integrationsklassen der Gesamtschulen gingen. In dieser Zeit haben sie in Konkurrenz mit anderen Kindern – und gleichzeitig aus der Konkurrenz herausgenommen – die von der Schule zu vermittelnden Kulturtechniken wie Lesen, Schreiben, Rechnen mit unterschiedlichem Erfolg gelernt. Gemessen wurden sie dabei an dem gesellschaftlichen Bild von Schulerfolgen und an „normalen“ Schülern. Darüber hinaus haben sie aber auch intensiv erfahren, anders zu sein als die „normalen“ Schüler. Sie haben erfahren müssen, vieles nicht zu können und nicht zu verstehen und in vielen Bereichen keine anerkannten Leistungen zeigen zu können.
Diese Lern – und Leistungssituation hat sich für die Jugendlichen in der Fachschule für Sozialpädagogik (FSP II) verändert:
Sie befinden sich in einer Art von Berufsausbildung, für die sie sich selber entschieden haben. Das bestärkt in starkem Maße ihre Lernmotivation und führt auch zu entsprechenden Leistungen.
Die Maßstäbe für ihre Lernerfolge sind die Anforderungen in ihrem späteren Arbeitsfeld „Kindertagesstätte“: Erzählen, Basteln und Bastelanleitungen nachgehen, Malen u. a. künstlerisch-kreatives Gestalten, Arbeiten in der Küche oder beim gemeinsamen Essen, Übernahme von Aufgaben und deren Organisation, Beobachtung und Reflexion bzw. handlungsorientierte Analyse sozialer Prozesse. - Das mag sich überhöht anhören, gehört aber zu ihrem jetzigen Alltag in der Schule wie in den Praxisstätten.
Die Ausbildung in der FSP II hat unsere Kinder verändert:
Ihre Fertigkeiten und Fähigkeiten und einhergehend damit auch ihr Selbstwertgefühl haben sich sowohl durch den schulischen Ausbildungsteil wie durch die erfahrene Anerkennung im beruflichen Umfeld sehr positiv entwickelt.
Sie erzählen uns: „... die Kinder in der KiTa lieben mich“, „die Arbeit ist manchmal anstrengend, aber sie macht mich glücklich“, „ich freue mich meine Kolleginnen wiederzusehen“, „heute habe ich allein mit ihnen gebastelt“, „Yvonne kommt immer zu mir und will kuscheln“
Sie erleben sich nicht mehr ausgegrenzt, sondern erfahren sich wie andere Jugendliche in einer Ausbildung: Sie gehen zur Arbeit, sie haben Urlaub und keine Schulferien mehr und sie werden eigenes Geld verdienen. Sie erleben sich als gleichwertig mit anderen Jugendlichen ihres Alters.
Auch unsere Kinder haben ein Recht auf Ausbildung, auf Berufswahl und angemessene Unterstützung, dies zu erreichen. Auch unsere Kinder wollen, soweit es ihnen möglich ist, ein selbst bestimmtes privates und berufliches Leben führen, statt stets nur versorgt zu werden.
Erinnern möchten wir an die programmatischen Beschlüsse im „Jahr der Behinderten“ und an die gesetzlich verankerten Ausbildungsrechte auch dieser Jugendliche.
Wie sozial eine Gesellschaft ist, zeigt sich immer im Umgang mit ihren schwächsten und
Hilfe bedürftigsten Mitgliedern.“
(für die Eltern R. Hinck, 20.04.2005)
Zitate von ErzieherInnen:
„die Ängste und Vorurteile gegenüber Menschen mit Behinderung werden weniger.“
„Die Kita-HelferIn nimmt uns als Kollegen viel Arbeit ab, bringt seine Persönlichkeit ein und lebt ein anderes Modell von Normalität.“
„ich habe gelernt loszulassen.“
„Ich denke über Themen nach, an die ich vorher nicht dachte.“
„Kinder lernen den Umgang mit Anderssein hautnah.“
„Ich habe einen interessanten Menschen kennen gelernt und viel dazu gelernt.“

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