Bruno Tesch


Bruno Guido Camillo Tesch wurde am 22. 4. 1913 in Kiel geboren. Seine Mutter war Italienerin, und Bruno wuchs zunächst in Italien auf. Er hatte noch eine Schwester Virginia. Hermann Tesch, sein Stiefvater, holte ihn dann im Alter von 12 Jahren nach Hamburg.

 Die Familie zog in die Schauenburger Straße 34 (heute Schomburgstraße) in der Altonaer Altstadt. Bruno wurde in die 11. Knaben-Volksschule (später Schule Thedestraße) eingeschult. Als 16jähriger begann Bruno eine Klempnerlehre bei Richard Dammann in der Kleinen Gärtnerstraße 79 (heute Stresemannstraße) und besuchte die Berufsschule in der Museumstraße. Seine Gesellenprüfung bestand Bruno mit "gut".

 Nach abgeschlossener Ausbildung als Klempner war Bruno wie viele andere Jugendliche arbeitslos und nahm am Freiwilligen Arbeitsdienst (FAD) teil.

 

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Anfang 1930 trat Bruno in die Sozialistische Arbeiterjugend (SAJ), die Jugendorganisation der SPD, ein. 1931 wurde Bruno Mitglied im Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbund.

 Aus Enttäuschung über die Politik der SPD wechselte er von der SAJ zum Kommunistischen Jugendverband (KJVD). Am 22. 2. 1932 wurde Bruno an der Ecke Dennerstraße/Bürgerstraße (heute Balthasarweg/ Thedestraße) von drei SA-Männern überfallen. (SA = "Sturmabteilung" der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiter-Partei / NSDAP)

 Zwei Wochen vor den Reichstagswahlen wollten die Nationalsozialisten am 17. Juli 1932, ein Sonntag, ihre Stärke demonstrieren und durch die Altonaer Altstadt marschieren. Die SPD versuchte nicht, den Marsch zu verhindern, sondern gab für diesen Tag die Parole aus, sich zurückzuhalten oder "ins Grüne zu fahren". Als dann am 17. 7. 1932 tausende Nazis mit ihren Anhängern unter dem Schutz der Polizei gerade auch durch die "roten" Arbeitervier- tel in der Altonaer Altstadt marschierten, kam es dort zu blutigen Auseinandersetzungen: 18 Menschen starben - darunter 2 SA-Männer -, 16 von ihnen durch Schüsse der Polizei.

 Auch Bruno Tesch war an diesem "Altonaer Blutsonntag" auf der Straße. Als er an der Ecke Schauenburger Straße/Johannisstraße stand, wurde er von einigen Arbeitskollegen aus dem FAD, die im Nazi-Demonstrationszug mitgingen, erkannt, überfallen und getreten. Ein Polizist befreite ihn schließlich. Obwohl Bruno aus einer Kopfwunde blutete, rannte er noch quer über die Straße einer Frau zu Hilfe, die mit zwei kleinen Kindern vor einem Lokal in Bedrängnis geraten war. Er brachte sie in einem Haus in der Großen Marienstraße in Sicherheit. (auf dem Gelände des Walter-Möller-Parks zwischen Holstenstraße und Louise-Schroeder-Straße)

 Genau dieser Augenblick zwischen der Inschutznahme durch die Polizei und dem Hinüberlau- fen zu der Frau wurde später vor Gericht als der Zeitpunkt genannt, zu dem Bruno Tesch geschossen haben soll. Ein Beweis dafür, daß Bruno Tesch getötet oder eine Pistole mit sich geführt hatte, wurde nie erbracht.

 Gleich nach der "Machtergreifung" Hitlers am 30. Januar 1933 kam es zu einem ersten "Blutsonntag"-Prozeß vor dem eigens dafür geschaffenen Sondergericht Altona. In diesem Prozeß wurden Bruno Tesch und drei andere Angeklagte, die in Altona als Gegner der Nazis bekannt waren, zu ersten Opfern der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft: Das Sondergericht Altona verurteilte am 2. Juni 1933 Bruno Tesch, August Lütgens, Walter Möller, Karl Wolff wegen angeblichen "gemeinschaftlichen Mordes" an den beiden am "Altonaer Blutsonntag" erschossenen SA-Männern zum Tode.

 Am 1. August 1933 wurde Bruno Tesch auf dem Hof des heutigen Amtsgerichts Altona mit dem Handbeil hingerichtet. Er war 20 Jahre alt.


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